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Letzte Änderung:    7.5.2010

Hier nur ein Schreiben an den Gemeinderat von Kraichtal vom 22. Nov. 2001, das nie beantwortet wurde.

Sehr geehrte Damen und Herren,

anlässlich der bevorstehenden Entscheidung des Gemeinderates zur Ausweisung von Vorrangflächen für Windenergieanlagen auf der Gemarkung Kraichtal möchte ich Sie vor einer Fehlentscheidung warnen, die nur zu Lasten unserer Landschaft, der Vogelwelt und der großen Mehrheit der Bevölkerung geht.

"Windenergieanlagen produzieren kein CO2, tragen also zum Klimaschutz bei, und sie erleichtern den Atomausstieg. Die projektierte Anlage versorgt 400 Haushalte mit Strom." Mit solchen und ähnlichen Argumenten versuchen Planer, Hersteller aber auch manche Umweltschützer (der Anti-AKW-Bewegung) gutgläubigen Menschen die Windkraft schmackhaft zu machen. Die augenblickliche Gesetzeslage und staatliche Dauersubvention haben leider dazu geführt, dass praktisch überall in Deutschland (unabhängig von der Windhöffigkeit) die Errichtung von Windkraftanlagen (WKA)  rentabel ist, und zwar  für Hersteller, Anleger, Betreiber und Grundstückseigentümer. Die betroffene Bevölkerung hat bis auf die wenigen vorgenannten gar nichts davon sondern nur Nachteile.

Als betroffener Kraichtaler Bürger erlaube ich mir,  Ihnen meine Bedenken, auch wenn sie allgemein bekannt sind, gegen die Errichtung und damit die Festlegung von sog. Vorrangflächen in aller Kürze mitzuteilen, in der Hoffnung, dass die Argumente Ihnen auch zu denken geben und Ihr Votum entsprechend ausfällt. Auf  die nicht nachvollziehbare Prioritätensetzung bei der Auswahl der möglichen Vorranggebiete durch den Regionalverband unter Mißachtung der Windverhältnisse und Verschonung der höher gelegenen, eigentlich geeigneteren Waldgebiete, möchte ich gar nicht eingehen.

1. Die zufällige, unbeständige und nicht zeitgerechte Verfügbarkeit von Windenergie und damit Windstrom macht das Vorhalten von herkömmlicher Kraftwerksenergie notwendig. Windenergieanlagen, auch wenn sie massenhaft errichtet würden, könnten daher auch nicht ein einziges, herkömmliches Kraftwerk, Kernkraftwerke eingeschlossen, ersetzen.

2. Der Beitrag der genutzten Windenergie zur Verringerung des CO2-Ausstoßes ist, wie einfache Rechnungen beweisen, vernachlässigbar gering. Selbst bei einem angenommenen Betrieb von 50000 WKA's flächendeckend in Deutschland, was unser Land unbewohnbar machen würde (alle 2.7 km eine WKA), würde sich der CO2-Ausstoß nur um 5,4  % verringern. Mit anderen Worten, das sog. Treibhausproblem wäre selbst durch eine totale Umstellung der derzeitigen traditionellen Stromerzeugung auf die Nutzung der Windenergie nicht zu lösen.

3. Durch die zwangskartellartige Einspeisevergütung von 17,8 Pfennig je kWh und Begünstigung durch Steuerrecht, Baukostenzuschüsse bis zu 33 %, sogar Betriebskostenzuschüsse und Zinsverbilligung aus dem Staatshaushalt werden finanzielle Mittel, die z.B. für Maßnahmen zu nachhaltigen  Energieeinsparung oder Förderung wirklich tragfähiger Energiegewinnungstechnologien sinnvoll eingesetzt werden könnten, umverteilt aus den Taschen vieler in die Taschen weniger.

 

4. Angesichts des immensen Profits, die WKA's Betreibern und Grundstückseigentümern verheißen, besteht die Gefahr, dass der mit der Bevorrechtung der WKA's verknüpfte Planungsvorbehalt der Gemeinden zum Spielball kommerzieller Interessen wird.

5. Untersuchungen zufolge, die an bestehenden Anlagen gemacht wurden, vertreiben WKA's unsere heimischen Vögel und haben fatale Auswirkungen auf den Vogelzug. Bereits jetzt schon werden Hunderttausende von Vögeln und Fledermäusen jährlich von den Rotorblättern der betriebenen Anlagen erschlagen.

6. Durch ihre monströse Höhe und ihre weitreichende Sichtbarkeit verunstalten WKA's die Landschaft schwerwiegend und dauerhaft. Ihre gleichförmig drehenden Rotorblätter begleitet von Schattenwurf und Lichtspiegelung und ihre untergründige sowie aerodynamischen Lärmimmissionen sind krankmachend. Gefahren entstehen für den Menschen auch noch in größerer Entfernung von der Anlage durch weggeschleuderte Teile wie Eisbrocken.

7. Die Lebensqualität in den benachbarten Wohngebieten wird drastisch herabgesetzt. Urlaubsgäste bleiben fern. Erhebliche Wertminderungen von bebauten und unbebauten Grundstücken im Sicht- und Störbereich der WKA's sind die Folge. 

Fazit:

Windenergieanlagen können herkömmliche Kraftwerke nicht, auch zum Teil nicht, ersetzen. Sie stellen eine zusätzliche Energiequelle dar. Der Beitrag zum Klimaschutz ist vernachlässigbar. WKA's stellen einen massiven und verunstaltenden Eingriff in die Landschaft dar. Konsequenterweise sind die Errichtungen von Windenergieanlagen allgemein und im Kraichtal im besonderen strikt abzulehnen. Wollen oder sollen wir wirklich unsere schöne Landschaft der tausend Hügel, die Landschaft zum Durchatmen  durch unvernünftige Bauwerke, von denen nur  wenige profitieren,  verunstalten?

Mit freundlichem Gruß

Günter Jacobs